HESSISCHER FLÜCHTLINGSRAT
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Antwort aus dem HMdI Hessen

 
 

... auf unsere Anfrage zu Rückführungen nach Afghanistan

- Abschrift -

Statistik zur Umsetzung der Bleiberechts- und Rückführungsregelung Afghanistan

1. August 2006

Sehr geehrter Herr Scherenberg, Ihre Fragen kann ich folgendermaßen beantworten:


1. Wie viele afghanische Staatsangehörige haben in Hessen einen Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis im Zuge der Bleiberechtsregelung gestellt?

Im Jahr 2005 wurden 133 Anträge gestellt. Im Jahr 2006 (Stand 30.06.) 37.

2. Wie viele dieser Anträge wurden bislang positiv beschieden, wie viele negativ und wie viele sind noch nicht entschieden?

Im Jahr 2005 wurden 7 Anträge positiv entschieden und 12 negativ. Im Jahr 2006 (Stand 30.06.) wurden 12 Anträge positiv und 23 Anträge negativ beschieden. Über die übrigen Anträge war mit Stand 01.07.2006 noch zu entscheiden.

3. Falls dazu Daten vorliegen, wie viele der negativ beschiedenen Anträge scheiterten an

a) der Aufenthaltszeit (Punkt 1.2.1 des Erlasses)
b) der Lebensunterhaltsicherung (1.3.1.)
c) dem bestehenden Arbeitsverhältnis (1.3.2.)
d) der Beschäftigungszeit (1.3.3.)
e) Ausschlussgründen nach 1.6.1 (Mitwirkungspflichten)
f) Ausschlussgründen nach 1.6.2 (Ausweisungsgründen)

Aus Gründen der fehlenden Voraussetzungen nach den Punkten 1.2.1, 1.3.1, 1.3.2 und 1.3.3 wurden im Jahr 2005 10 und im Jahr 2006 (Stand 30.06.) 14 Anträge abgelehnt.
Wegen sonstiger Ablehnungsgründen wurden im Jahr 2005 und 2006 (Stand 30.06.) 9 Anträge negativ beschieden.
Weitere statistische Unterteilungen gibt es nicht.

4. Wie viele Personen wurden aus Hessen seit Beginn der Abschiebungen nach Afghanistan dorthin abgeschoben? Wie viele davon waren Straftäter, wie viele waren alleinstehende junge Männer, die nicht straffällig geworden waren?

2005 wurden 14 und 2006 (Stand 30.06.) ebenfalls 14 Personen nach Afghanistan abgeschoben, davon ein Straftäter.

5. Wurden aus Hessen mittlerweile auch Frauen oder Familien mit Kindern nach Afghanistan abgeschoben? Falls ja, wie viele jeweils? Falls nein, ist abzusehen, wann mit der Abschiebung von Paaren, Familien oder alleinstehenden Frauen begonnen wird?

Den hier vorliegenden statistischen Angaben ist zu entnehmen, dass bisher nur männliche allein stehende Afghanen zurückgeführt wurden.
Da die Umsetzung der von der Innenministerkonferenz beschlossenen Rückführungsgrundsätze keine gesonderten Weisungen für den Beginn der Rückführungen der jeweils nachrangigen Personengruppe erfordern, ist es denkbar, dass einzelne Ausländerbehörden schon jetzt bzw. künftig auch Paare und/ oder Familien mit Kindern abschieben. Nach der Hessischen Erlasslage sind allein stehende Frauen erst zu aller letzt zurückzuführen.

6. Wurden aus Hessen mittlerweile auch Angehörige der Hindu- oder Sikh-Minderheiten abgeschoben? Wird die besonders prekäre Situation dieser Minderheiten in Afghanistan berücksichtigt, wenn es um die Reihenfolge der Rückführungen geht?

Die vom Bundesministerium des Inneren vorgegebene Statistik geht auf Minderheiten nicht gesondert ein. In den Rückführungsgrundsätzen werden diese Minderheiten nicht erwähnt. Die hessischen Ausländerbehörden sind aber hinsichtlich der möglichen Schwierigkeiten dieses Personenkreises nach Rückführungen besonders sensibilisiert.

7. Gibt es derzeit in Hessen Bemühungen, die Abschiebungen nach Afghanistan auszuweiten?

8. Gibt es angesichts der sich verschärfenden Sicherheitslage in Afghanistan Überlegungen im HMdI, Abschiebungsbemühungen nach Afghanistan einzuschränken oder einzustellen?

In Hessen wird mit der geschilderten Besonderheit die IMK-Beschlusslage umgesetzt. Weder in die eine, noch in die andere Richtung gibt es hiervon abweichende Überlegungen.

9. Wie viele vollziebar ausreisepflichtige Personen afghanischer Staatsangehörigkeit halten sich derzeit in Hessen auf? Wie vielen von ihnen wurde die Abschiebung angedroht?

Mit Stand 31.12.2005 hielten sich in Hessen 1020 Persinen afghanischer Staatsangehörigkeit mit einer Duldung auf, 1213 Personen wurde die Abschiebung angedroht.

10. Wie viele Personen aus Hessen sind seit Beginn der Abschiebungen freiwillig nach Afghanistan zurückgekehrt? Wie viele von ihnen haben Mittel aus dem REAG/GARP-Programm erhalten oder haben das RANA-Programm in Anspruch genommen?

Seit Juli 2005 sind 39 freiwillige Ausreisen erfolgt.
Nach der hier erst seit kurzem vorhandenen Statistik von IOM sind im Jahr 2006 (Stand: 30.06.) für 23 Personen zur freiwilligen Rückkehr nach Afghanistan REAG und GARP-Mittel bewilligt worden.
Weitere Angaben liegen hier nicht vor.

11. Sind dem HMdI weitere Fälle wie der der Familie Kamran aus dem Wetteraukreis bekannt, in denen Betroffene eine Aufenthaltsbefugnis nach altem Recht hatten, die dann jedoch nicht in eine Aufenthaltserlaubnis überführt wurde und die jetzt von Abschiebung bedroht sind?

Nein.

12. Wie vielen afghanischen Staatsangehörigen wurde seit 01.01.2005 in Hessen im Zuge eines Widerrufsverfahrens der Aufenthaltstitel aberkannt? Sind schon Personen nach abgeschlossenem Widerrufsverfahren nach Afghanistan abgeschoben worden?

Dazu ist hier keine Statistik vorhanden.


Ich hoffe, Ihnen mit diesen Auskünften gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

(Preiß)


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