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Gesundheit / Psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen
1. Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und
seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich
....ärztlicher Versorgung und notwendige soziale Leistungen
sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit,
Invalidität....
2. Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge
und Unterstützung. ....
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 25:
Vorbemerkung:
Der Begriff Gesundheit' wird hier ganzheitlich begriffen;
er beinhaltet nicht nur die im Westen vorherrschende naturwissenschaftlich-medizinische
Ebene sondern umfasst auch psychologische und soziale Aspekte des
Alltagslebens. Gerade bei Flüchtlingen kann man den Zusammenhang
zwischen äußeren Problemlagen und gesundheitlichen (psychosozialen)
Beschwerden besonders deutlich erkennen. Sowohl ihre Flucht- und
Verfolgungsgeschichte im Herkunftsland als auch ihre rechtlich ungesicherte
Lage samt vielen Beeinträchtigungen in sprachlicher und sozialer
Hinsicht hier in Deutschland führen oft zu gravierenden Gesundheitsstörungen.
Für diese komplexen Problemlagen gibt es aber viel zu wenige
und nicht angemessene Behandlungsmöglichkeiten.
(I)Forderungen für die Flüchtlinge
- Für Flüchtlinge, die sich nicht ausreichend in Deutsch
verständigen können, sollten - unabhängig von ihrem
Status - die Dolmetscherkosten übernommen werden
- Bei Flüchtlingen, die Leistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz
bekommen, muss als Mindestforderung mehr Klarheit betr. des Behandlungsumfangs
geschaffen werden (vgl. Georg Classen, Krankenhilfe nach dem AsylbLG,
in: Asylmagazin 11/2000)
- Darüber hinaus fordern wir die Abschaffung des diskriminierenden
AsylbLG besonders im Blick auf die reduzierten Krankenbehandlungsmöglichkeiten
- Sicherstellung der therapeutischen Behandlung von Kriegstraumatisierten
und Folteropfern, vor allem auch
- Anerkennung und Berücksichtigung der ärztlichen/therapeutischen
Gutachten für diese Personengruppe im Asylverfahren (betr.
Gerichte, Bafl u.a. maßgeblichen Behörden)
- Auch Menschen ohne Papiere' (Illegalisierte)
müssen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben (vgl. dazu:
Buch der Picum' - Platform for International Cooperation
on Undocumented Migrants (Tagung 2001) Mail: info@picum.org
(II) Das Gesundheitssystem betreffende Forderungen
- Umfassende Information über wichtige Gesundheitsthemen
und Behandlungsangebote in den verschiedenen Sprachen der Flüchtlinge
- Stärkere Koordinierung der bestehenden Beratungs- und Behandlungsangebote
mit dem Ziel einer besseren medizinischen und psychosozialen Betreuung
der Flüchtlinge
- Gezielte Fortbildung von deutschem Fachpersonal zur Entwicklung
von interkultureller Kompetenz, das beinhaltet etwa eine verstärkte
Wahrnehmung des Krankheitsverständnisses in anderen Kulturen
bzw. bei Menschen aus anderen Ländern
- Die öffentlichen Gesundheitsdienste sollten sich stärker
als bisher öffnen für einen multidisziplinären
und interkulturellen Beratungsansatz, das beinhaltet u.a. auch
deutlich vermehrte Einstellung von muttersprachlichen Ärzten/Therapeuten/Beratern.
Die Stadt Frankfurt hat einen "Gesundheitswegweiser für
Migrantinnen und Migranten" herausgegeben, der auch im
Internet unter: www.stadt-frankfurt.de
zu finden ist. Dort kann man mithilfe von Suchbegriffen Ärzte/Psychotherapeuten/Beratungsstellen
etc. in den verschiedensten Sprachen und Stadtteilen Frankfurts
herausfinden. - Eine Broschüre: Fremdsprachige psychosoziale
Beratung in Frankfurt am Main' gibt es beim Fachhochschulverlag,
Kleiststr. 31, 60318 Frankfurt am Main (Tel. (069) 15 33-2820).
- Spannend ist auch die kostenlos zu beziehende Broschüre der
Ausländerbeauftragten Marieluise Beck: Handbuch zum interkulturellen
Arbeiten im Gesundheitsamt, (Postfach 140280, 53107 Bonn; www.bundesauslaenderbeauftragte.de)
Hilke Folkers
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