HESSISCHER FLÜCHTLINGSRAT
Mitglied in der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft PRO ASYL
Geschäftstelle: Leipziger Straße 17 - 60487 Frankfurt a.M.
Telefon: 069 / 976 987 10 - Fax: 069 / 976 987 11 - email: hfr@fr-hessen.de

 

Presserklärung zu inhumaner Abschiebung

 
 

Presseerklärung Marburg, den 14. Juni 2002

am Mittwoch, dem 5. Juni 2002 wurde der 16jährige Schüler Fabrice Malinga Modjulua von der Polizei aus dem Unterricht geholt , um mit seiner Familie - Vater, Mutter, zwei Kleinkinder und ein weiterer Jugendlicher - in die Demokratische Republik Kongo abgeschoben zu werden. Nachbarn haben auch den Einsatz an der Wohnung mit Polizeihunden als äußerst schockierend beschrieben.

Die Schüler der Klasse 8a der Comenius-Realschule in Herborn waren entsetzt und haben spontan Unterschriften und Geld gesammelt und den Bürgermeister aufgesucht, der aber auch nicht helfen konnte, da ja nun mal die Gesetze so sind und beachtet werden müssen.

Dass Menschen, die seit Jahren in Deutschland leben, Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind und besser Deutsch als ihre Muttersprache sprechen können, aus ihrem Umfeld gerissen und zurückgeschickt werden, ist beschämend und schockierend.

Dass Familie Modjulua, die seit 11 Jahren in Deutschland lebt, in die Demokratische Republik Kongo zurückgeschickt wird, ist unverantwortlich und grausam: Niemand kann für die Sicherheit der Familie in diesem Land eine Garantie übernehmen! Die innenpolitische Lage Kongos spitzt sich derzeit wieder in Richtung auf einen Bürgerkrieg zu. Die Versorgungslage ist seit langem prekär. Die Kindersterblichkeit ist extrem hoch. Kindern, die nicht in Afrika geboren oder groß geworden sind, fehlt die nötige Immunität gegen Tropenkrankheiten, sodaß sie einem hohen Todesrisiko entgegensehen.
Vgl. u.a. U. v. 22.01.02 (VG Leipzig - A7K 30453-96); VG Köln, U.v. 22.2.2002 - 5 K 2971/00.A

Der Hessische Flüchtlingsrat hat die größten Bedenken gegen Abschiebungen in den Kongo. Mit der versuchten Abschiebung betreten die hessischen Behörden ein neues Terrain, denn unseres Wissens wurde über längere Zeit nicht in den Kongo abgeschoben. Der Wechsel in der Abschiebepolitik Kongo wurde auch durch die neu bestehenden Direktflüge durch die Lufthansa ermöglicht.

Die Familie ist inzwischen mit Ausnahme des Vaters, der sich in Abschiebehaft befindet, nach Herborn zurückgekehrt - eine erneute Abschiebung wird derzeit nur durch ein Petitionsverfahren beim Hess. Landtag verhindert.

Der Hessische Flüchtlingsrat bittet die zuständigen Stelle inständig, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und humane Gesichtspunkte bei ihren Entscheidungen in den Vordergrund zu stellen und der Familie zu erlauben, hier zu bleiben. Was für Gesetze haben wir, wenn dies nicht möglich sein sollte???

Christa Künzel, Geschäftsführung hfr

Weiterführende Links:

 

nach oben