Presseerklärung des Bündnisses Feminist Asylum zum Weltfrauentag

Feministischer Kampftag als Mahnung:

Frauen und LGBTIQA+ Personen auf der Flucht konsequent schützen! Bündnis ‚Feminist Asylum‘ fordert anlässlich des 8. März die Anerkennung besonderer Fluchtgründe von Frauen und LGBTIQA+ Personen

„Das deutsche Asylsystem ist so aufgebaut, dass Frauen und LGBTIQA+ Personen ununterbrochen unter immensen Druck stehen und sich oft ohne Sicherheitsgefühl durchkämpfen müssen. Für einige von uns kann dieser Zustand mehrere Jahre andauern“, erklärt Aigün Hirsch vom niedersächsischen Flüchtlingsrat, die aus der Referent*innenperspektive wie durch ihre persönliche Fluchterfahrung Expertise gesammelt hat.

Angstfrei, selbstbestimmt, informiert, respektiert, gehört, gesehen

„Der Kampf endet nicht mit einem sicheren Aufenthaltstitel. Vielmehr können wir uns ab diesem Zeitpunkt dem manchmal weniger überlebenswichtigen, dennoch lebenswichtigen Kampf gegen erlebte sexistische Diskriminierung und Gewalt nicht mehr entziehen.  Aus meiner Beratungsarbeit mit Schutzsuchenden versuche ich hier die Stimmen der Frauen und LGBTIQA+ Angehörigen einzubringen“, konstatiert Hirsch. „Sie wollen angstfrei, selbstbestimmt, informiert, geschützt vor rassistischer und geschlechtsspezifischer Gewalt sein; respektiert, gehört und gesehen werden, auf allen Etappen des Asylverfahrens und danach, sowie in ihrem alltäglichen Leben.“

Eine auf die Bedarfe und mögliche Einschränkungen der Schutzsuchenden abgestimmte Anhörung zu den Fluchtgründen sei eine notwendige Grundlage, um ein faires Asylverfahren zu schaffen. „Von Anfang an muss allen schutzsuchenden Frauen und LGBTIQA+ Personen menschenwürdiger Wohnraum, Privatsphäre, Zugang zu gesundheitlicher Versorgung sowie Zugang zu Bildungs- & Sprachlernmöglichkeiten, und nicht zuletzt zum Arbeitsmarkt gewährt werden. Und das unabhängig von ihrer Herkunft!“, so Aigün Hirsch.

Hintergrund: Zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Bezug auf geflüchtete Frauen und Mädchen in Deutschland

Im vergangenen Jahr hat der Hessische Flüchtlingsrat gemeinsam mit Pro Asyl, weiteren Landesflüchtlingsräten und Prof. Sabine Hess von der Uni Göttingen die Broschüre „Zur Umsetzung der Istanbul-Konvention in Bezug auf geflüchtete Frauen und Mädchen in Deutschland – Schattenbericht zu GREVIO“ herausgegeben und auf die Defizite hingewiesen, die es auch in Deutschland noch in Bezug auf die Umsetzung der Istanbul-Konvention gibt. Umso wichtiger ist es, dass die Umsetzung jetzt auch auf europäischer Ebene über die europaweite Petition eingefordert wird.

Ein europäischer Aufruf, eine europäische Petition

Marianne Ebel vom europäischen Bündnis ‚Feminist Asylum‘ ist derweil stolz auf die bisherige Unterstützung der Petition zur Anerkennung geschlechtsspezifischer Asylgründe: „Aus Deutschland unterstützen 29 Organisationen unser Anliegen. Europaweit sind wir bereits 250 Organisationen, die sich für den konsequenten Schutz Betroffener von patriarchaler Gewalt auf der Flucht einsetzen.“ Auch Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Politik hätten sich der Petition angeschlossen, so zum Beispiel die zweifache Olympiasiegerin und Initiatorin der #MeToo-Bewegung in Griechenland, Sofia Bekatorou.

„Jetzt appellieren wir an die Organe der EU und an die nationalen Regierungen: bereiten sie institutionalisierter patriarchaler Gewalt im europäischen Asylsystem ein Ende. Schützen Sie die Betroffenen konsequent!“ so Ebel.

Mehr Informationen zum Thema gibt es bei der Veranstaltung der Evangelischen Akademie zu Berlin am 8. März 2022 um 18 Uhr (online): „Flucht und Asyl aus feministischer Sicht“. Weitere Informationen zum Programm und Anmeldung.

*LGBTIQA+ Personen : lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, intersexuell, queer, asexuell, und weitere

Kontakt:

Hessischer Flüchtlingsrat
– Timmo Scherenberg –
+49 179 8293173
hfr@fr-hessen.de

Feminist Asylum
– Marianne Ebel –
Mobil: +41 79 739 85 14
Mail: ebel.vui@gmail.com

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